Mittwoch, 17. Juli 2013

Unteraargletscher BE

Vergangenen Samstag war es sommerlich warm bei uns im Tal. Ein perfekter Tag, um unsere alljährliche Wanderung auf der Grimsel in Angriff zu nehmen. Wir waren gespannt, was uns erwartet. Vier Wochen vorher waren wir ja bereits auf dem Pass um die noch immer hohen Schneewände und den auftauenden Totensee zu bewundern.

Einfach unglaublich, wie sehr sich die Natur in den vier Wochen verändert hat.

Schattseitig hatte es noch sehr viele Schneefelder. Wir starteten beim Hotel Grimsel Hospitz und wanderten dem rechten Grimselseeufer entlang bis hinten zur Schwemmebene des Unteraargletschers.

Diese Route kannten wir zwar schon, aber nur vom Herbst. Nun wollten wir wissen, was die Pflanzenwelt dort im Frühling zu bieten hat. Es ist eine einfache Wanderung.In einem steten Auf und Ab durchwandert man eine unglaublich schöne Gebirgslandschaft. War ich zu Beginn irgendwie noch genervt und gestresst von der vergangenen Arbeitswoche, machte sich mit jedem Schritt in dieser urtümlichen, manchmal fast überirdisch schönen Gegend eine grosse Ruhe und Zufriedenheit in mir breit.

Spektakulär ist der Wasserfall gleich am Anfang des Sees...er donnert mit viel Schmelzwasser über die Felsen und Flühe herab und besprüht den staunenden Wanderer mit einem feinen Wasserfilm, den man bei den sommerlichen Temperaturen gerne entgegen nimmt.

Die Blumenvielfalt war enorm! Wo der Schnee erst gerade weg war, zeigten sich Soldanellen, Anemonen und Enzian. An sehr sonnigen Stellen blühten die ersten Alpenrosen und an den moorigen Plätzen das Wollgras. Silbermänteli, Veilchen, Sonnenröschen, Vergissmeinnicht, Arnika und ein ganzes Feld von Türkenbund.

Nach jeder Wegbiegung erwarteten einem neue Schätze. Noch nie habe ich soviel Hauswurz gesehen! Zwischen jedem Stein streckte er seine Stängel und wunderschönen Blüten empor...einfach herrlich!

Wo der Grimselsee endet und die Schwemmebene des Unteraargletschers beginnt, ändert sich die Landschaft schlagartig. Vorbei ist die Lieblichkeit. Hier gelten andere Regeln. Fast bedrohlich wirken die Berge ringsum, und vorallem Steine, viiiiiele Steine dominieren die Landschaft.Pflanzen wachsen nur noch Boden nah.

Wir liesen uns an einer windgeschützen Stelle zu einer langen Mittagsrast nieder. Schon bald döste mein Mann genüsslich an der wärmenden Sonne. Ich schaute mich etwas ratlos um in dieser enormen Steinwüste....vom Unteraargletscher ist weit und breit nichts zu sehen. Er liegt unter Schutt und Steinhaufen.

Die Lichtverhältnisse waren um diese Tageszeit zum fotografieren so ziemlich unbrauchbar. Der Tag war sowieso etwas diesig und der Wind wirbelte immer wieder den Sand auf, der sich auch zu Hauf in der Ebene befindet. Mir kamen Gedanken wie "White desert", "Einöde" und "Ende der Welt" ;-) Nein, meine Welt war das hier nicht mehr!

Aber so schnell lies ich mich natürlich nicht "kleinkriegen"...jede Landschaft hat ihren Reiz, man muss ihn nur sehen wollen! Also wanderte/schlenderte ich weiter, in Richtung Lauteraarhütte und war mächtig stolz, bewegte ich mich doch erstmals auf einem weiss-blau-weissen Wanderweg und kam nicht gleich um vor Angst ;-)
Der Weg war aber auch denkbar einfach zu begehen...die einzige Schwierigkeit bestand darin, von einem Stein auf den nächsten zu hüpfen, ab und zu einen Bach zu überspringen und einfach nicht die Orientierung zu verlieren in dieser Steinwüste.

Plötzlich gelangte ich an eine "Pfütze" und ich traute meinen Augen kaum! Ein gelbes Blumenmeer umsäumte dieses Seelein! Eine wunderbare Oase mitten in der Wüste! Ein richtiger Augenschmaus, Balsam für die Seele! Ich war hin und weg. So faszinierend ist die Natur!

Nach dem ich mich satt gesehen hatte, lief ich noch weiter, bis zu einem Monument, von Menschenhand erschaffen und Gebirgshexe genannt. Es soll die Menschen zum Nachdenken animieren, ob sie diese wundervolle Landschaft wirklich für einen Stausee opfern wollen!! ICH will NICHT!!

Langsam machte ich mich dann wieder auf den Rückweg. Jedem Blümchen und Pflänzchen, das hier sein Leben fristet, hätte ich am liebsten persönlich gratuliert und auch gedankt, dass sie soviel Freude bereiten!

Nach gut zwei Stunden Rast war auch mein faulpelziger Wanderführer bereit für den Rückweg. Dieser war genau so schön und beglückend wie der Hinweg, nur war jetzt am späteren Nachmittag das Licht etwas besser.

Genau in dem Moment, als wir wieder beim Hotel Grimsel Hospitz ankamen, überzog sich der Himmel wie von Geisterhand mit vielen Wolken und die Sonne ward hier oben für diesen Abend nicht mehr gesehen. So schnell geht das! Für uns ging wieder mal ein wunderbarer Wandertag zu Ende.
























































Kommentare:

  1. Wow da weiss ich jetzt gar nicht was ich schreiben soll da der Text und die Bilder der Hammer sind. Das Ende der Welt ist das bestimmt nicht. Deine Beschreibung ist Beeindruckend. Da weiss man wirklich gerade wo was ist und wie was heisst und und und. Man erlebt die Wanderung mit schon bevor man die Bilder sieht. Wenn ich den Text lese hab ich schon Bilder im Kopf obschon ich gar nicht weiss welche Blume das jetzt sein soll oder was auch immer. Die Vorstellung kommt einfach. Und dann sieht man die Atemberaubenden und wunderschönen und Farbenprächtigen Bilder. Ein grosses Lob und ein grosses Dankeschön. Du nimmst Dir immer so viel ZEIT alles so ausführlich und toll zu beschreiben. Der Blog Oscar geht auf alle Fälle an Dich. Lieber Gruss Claudia

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  2. Wunderschöne Bilder. Im Moment sind die Lichtverhältnisse aber auch wirklich gut.
    Was mir auch sehr gefällt, dein Satz:

    "Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich."

    So sehe ich die Welt auch am liebsten: zu Fuss.

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  3. @alle: Danke, schön, dass Euch die Bilder gefallen!

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